MS multiple sklerose

Multiple Sklerose – Marderschaden im zentralen Nervensystem

Eine Betrachtung der Multiplen Sklerose aus Sicht der kPNI und Paleo Ernährung:

In der Schweiz bekommt fast täglich ein junger Erwachsener im Alter von 20-40 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose (kurz MS). Zur Zeit leben hierzulande über 10’000 Menschen mit dieser unheilbaren Krankheit, Tendenz steigend. Somit gehört die MS mit zu den häufigsten chronischen, neurologischen Erkrankungen in diesem Lebensabschnitt.

myelinscheide bei multiple sklerose (ms) -autoimmunerkrankungDa die Beschwerden, unter denen die Patienten leiden, sehr vielfältig sind, werden die ersten Symptome oft übersehen oder anderen Erkrankungen zugeordnet. So können Müdigkeit, Sehstörungen und Konzentrationsstörungen auftreten, genauso wie Muskelschwächen, Koordinationsstörungen, Blasen- und Darmstörungen, die jahrelang niemand mit Multiple Sklerose in Verbindung bringt. Dies verzögert die Diagnosenstellung oft Jahre, so dass eine adäquate  Therapie erst spät startet.

Was ist eigentlich Multiple Sklerose?

MS ist eine chronisch entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Durch Entzündungsreaktionen wird die isolierende Schutzschicht der Nerven des Gehirns und des Rückenmarks zerstört, so dass es zu einer gestörten Weiterleitung der Nervenimpulse und somit zu Muskelschwäche, Koordinationsstörungen und vielen anderen Symptomen kommt. Man kann sich unser zentrales Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark, wie eine moderne Schaltzentrale vorstellen. Im Gehirn findet die Informationsverarbeitung statt, und über das Rückenmark werden einerseits ständig Informationen aus dem Körper an das Gehirn geschickt und andererseits schickt das Gehirn über das Rückenmark Informationen in den Körper, damit alles funktioniert.

Der Marder als Kabelkiller

Stellen Sie sich das wie in einem modernen Auto vor. Die Blackbox, das Gehirn der gesamten Elektronik, ist über Kabel, den Nervenfasern, mit jedem Teil verbunden. Es gibt Kabel, die zur Alarmanlage, zum Anlasser, zum Licht, zum Treibstofftank und z.B. zur Zentralverriegelung gehen und diese ständig überwachen und dazu elektrische Impulse zur zentralen Box zurückschicken. Die Box verarbeitet dann die eingegangenen Informationen und schickt ihrerseits Informationen bzw. Handlungsaufträge zu anderen Teilen im Auto. Somit ist es möglich, dass, wenn man den Autoschlüssel ins Zündschloss steckt und dreht, der Motor zum Leben erweckt. Nun mögen aber in manchen Gegenden putzige kleine Tierchen, die Marder, ihr Unwesen treiben und liebend gern die Isolierungen der Kabel im Auto anknabbern. Dabei wird das Kabel beschädigt und die Information, die dieses Kabel vermittelt, werden gestört. Wir stecken den Schlüssel ins Zündschloss, drehen und nichts passiert, nur weil ein Kabel bzw. die Isolierung des Kabels defekt ist.

 

Im menschlichen Körper ist eine Isolierung der Nervenfasern nötig, damit Informationen sehr schnell weitergeleitet werden können. Diese Isolierschicht wird als Myelinschicht bezeichnet.

Bei Multipler Sklerose greift nun das eigene Immunsystem die Myelinschicht der Nervenfasern an, löst Entzündungen aus und zerstört sie schließlich. So ist Multiple Sklerose – Marderschaden im zentralen Nervensystem. Je nachdem, welche Nervenfasern oder Bereiche im Gehirn betroffen sind, sehen die Beschwerden bei einzelnen MS-Patienten sehr unterschiedlich aus.

Zu Beginn einer MS Erkrankung klagen die Patienten häufig über Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheitsgefühl in Armen und Beinen, aber auch Sehstörungen und Gleichgewichtsstörungen können auftreten.

Andere typische Symptome sind:
  • generelle Müdigkeit
  • Muskelschwäche
  • Koordinationsstörungen (Gang- und Gleichgewichtsstörungen)
  • Missempfindungen (Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheitsgefühl)
  • Blasen- und Darmstörungen (Verstopfungen, Inkontinenz, unkontrollierter Harndrang)
  • vermindertes sexuelles Verlangen, Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs, Unfruchtbarkeit
  • Depressionen

Die Ursachen von MS sind bis heute noch nicht genau geklärt

Wie bei den meisten Autoimmunerkrankungen wird eine genetische Veranlagung in Kombination mit verschiedenen Umweltfaktoren diskutiert. Daher ist häufig nur eine symptomatische Therapie möglich. Mittels Entzündungshemmern wird versucht die Entzündung gering zu halten. Des weiteren kommen häufig Immunsuppresiva zum Einsatz, die die Immunantwort unterdrücken, damit das Immunsystem die körpereigene Myelinschicht nicht mehr zerstört.

Leaky Gut Syndrom

Neure Untersuchungen zeigen jedoch deutliche Zusammenhange zwischen MS, der Funktion unseres Darms, unserer Ernährung und der Aktivität des Immunsystems. So kann ein sogenanntes „leaky gut syndrom“ dazu führen, dass unser Immunsystem immer wieder aktiviert und somit hyperaktiv wird. Ein hyperaktives Immunsystem haben alle Autoimmunerkrankungen gemeinsam. Bei vielen Patient kann dieses „leaky gut syndrom“ ein unterhaltender Faktor für die MS sein. Deshalb empfiehlt sich eine Ernährungsform die frei von, die Darmwand schädigenden, Antinutrienten ist. Diese finden sich gehäuft in allen Getreideprodukten, Hülsenfrüchten, Kartoffeln und Kuhmilchprodukten.

Bei der MS verwechselt unser Immunsystem die Myelinschichten der Nerven mit „feindlichen Stoffen“, sogenannten Antigenen, die in unseren Körper eindringen. Unser Immunsystem bekämpft, ähnlich einer Kreuzreaktion, dann nicht nur diese feindlichen Stoffe, sondern auch das körpereigene Myelin. Der Eine oder Andere wird eine solche Reaktion vielleicht kennen. Der Birkenpollenallergiker reagiert häufig nicht nur auf die Birkenpollen, sondern auch auf einen Apfel. Dies wird als molekulare Mimicry (Ähnlichkeit) bezeichnet, da sich die einzelnen Strukturen (die Gensequenz) der Birkenpollen und des Apfels stark ähneln. Auch bei der MS sind heute mittlerweile solche molekularen Ähnlichkeiten bekannt. So hat das in der Kuhmilch gefundene Milcheiweiss Butyrophilin einen ähnlichen Aufbau wie das Myelin der Nervenfasern. Durch diese Ähnlichkeit bekämpft das hyperaktive Immunsystem nun nicht nur den „feindlichen Stoff“ Butyrophilin aus der Milch, sondern auch die eigenen Myelinschichten. Dies führt zu Entzündungen im zentralen Nervensystem und schließlich zur Zerstörung der Myelinschicht.

Vitamin D als selektiver Regulator des Immunsystems hemmt MS

Neuen Untersuchungen zufolge ist Vitamin D extrem wichtig zur Regulation des Immunsystems und somit zur Hemmung von MS. Rund um den Äquator, wo die Sonneneinstrahlung und der Vitamin D-Spiegel der Bevölkerung höher ist, sucht man MS-Patienten vergeblich. Auch in der Schweiz kann man entsprechend der Intensität der Sonneneinstrahlung eine unterschiedliche Ausbreitung von MS erkennen. So ist die Prävalenz im Flachland höher, als im nebelfreien Bergland.

Doch auch der Verzehr von Milchproduckten hat Einfluss auf den Vitamin D Spiegel im Körper. In der Kuhmilch wurde noch ein weiteres Milcheiweiss gefunden, das sogenannte Bovine Serum Albumin, kurz BSA genannt. BSA hat ebenfalls eine molekulare Mimicry mit einem körpereigenen Eiweiss, dem Vitamin D binding globulin. Ähnlich wie beim Butyrophilin bekämpft das Immunsystem nun das BSA und auch das dazugehörige körpereigene Eiweiss. Der dadurch verursachte Mangel an Vitamin D binding globulin führt zu einem generellen Vitamin D Mangel im Körper.

Diese Untersuchungen zeigen, dass Milchprodukte aufgrund der Milcheiweisse Butyrophilin und BSA  ein starkes antigenetisches Potential haben und somit einen, die MS unterhaltenden, Umweltfaktor darstellen. Für MS-Patienten ist nach dem heutigen Wissensstand eine milchfreie Ernährungsform, wie z.B. nach dem Modell der Steinzeitdiät (paleo diet) empfehlenswert.

Craniosacral Therapie bei Cronischer Cerebro-Spinaler Venöser Insuffizienz (CCVI)

Ein weiterer interessanter Ansatz in der Behandlung von MS stammt von Dr. Zamboni. Er stellte im Jahr 2008 fest, dass bei MS-Patienten der venöse Abfluss des Gehirns durch eine Verlegung der Vena jugularis interna gestört ist. Dies wird als Cronische Cerebro-Spinale Venöse Insuffizienz (CCVI) bezeichnet. Mit Hilfe der Gefässchirurgie machte er den Abfluss wieder frei und konnte einen Rückgang der Krankheitszeichen und Entzündungsherde im Gehirn beobachten. Diese Operationstechnik ist in der Schweiz jedoch noch nicht zugelassen, und zur Zeit aufgrund fehlender Langzeitstudien und eines verhältnismäßig hohen Risikos noch stark umstritten.

Doch auch mittels Craniosacral-Therapie kann der venöse Abfluss des Gehirns verbessert werden, was zu einer ähnlichen Verbesserung der Krankheitssymptome führt, nicht invasiv ist und keine Nebenwirkungen hat. MS-Patienten empfinden diese Craniosacrale Körperarbeit als extrem entlastend.

Die Multiple Sklerose ist ein sehr komplexes Krankheitsbild mit vielen Gesichtern. Dieser Artikel soll Betroffenen helfen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Als Therapeuten der klinischen Psycho-Neuro-Immunologie (kurz kPNI) können wir den Betroffenen versuchen zu helfen und mal neue Lösungsansätze anzuwenden. Kontaktieren Sie uns!

Bildquelle: Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft / www.multiplesklerose.ch

Quellen und Interessante Links zum Thema:

Löcher im Darm?! – Das leaky gut syndrom

Wenn UNSER Immunsystem zum Feind wird! – Was ist eine Autoimmunerkrankung

Impact of Dietary Antigens on Multiple Sclerosis – Toohey L. PhD, Colorado State University Health and Exercise Science USA

http://www.biomedizin-blog.de/de/kann-multiple-sklerose-durch-verzehr-dieser-lebensmittel-in-9-monaten-umgekehrt-werden-eine-erfolgsgeschichte-von-dr-terry-wahls-wp261-221.html

http://www.mindbodygreen.com/0-12809/how-i-beat-progressive-ms-with-a-paleo-diet-functional-medicine.html

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